Essay

Fritz Z.


Radio DRS | tamedia

Fritz wird Vorarbeiter
«Am Kraftwerk Mühleberg ging nun die Arbeit zu ende. Unser vier ledige Zimmermannen und Schreiner gingen dann selbst weg, ohne dass uns gekündigt wurde, damit Familienväter aus der Umgebung noch Arbeit hätten. Nun war ich noch eine Zeit lang überall. Die Bauern kannten mich ja gut vom Hornussen her. Im Frühling 1920 hatte ich eine Stelle in Baden, Aargau. Bei diesem Zimmermeister habe ich noch viel gelernt. Er hatte immer Zeit für mich, wenn ich etwas lernen wollte, wenn es um schiften, ausgattern, um Dreivierteltreppen oder Wendeltreppen ging. Ich war gut zwei Jahre bei ihm. Als ich fort ging, sagte er: «Fritz, nun kannst du überall hin. Nun bist du ein fertiger Zimmermann!» Damals hatte die Bahn gerade eine neue Strecke eingeweiht: Würenlos-Oerlikon. Da suchten sie einen Strecken-Zimmermann. Mein Meister hatte mich ohne mein Wissen schon angemeldet und Zeugnisse von meinem Können eingesandt. Ich hätte nur noch ja zu sagen brauchen, wie mir der Stationsvorstand in Baden sagte. Aber ich hatte da die Stelle bei Hatt-Haller für die Betongerüstmontage der Staumauer im Wäggital schon. So verschwand ich ganz stillschweigend nach Zürich in die Zimmerei Hatt-Haller und mit den Plänen für das Gerüst als frischgebackener Vorarbeiter in das Wäggitaler Kraftwerk der Nordostschweizerischen Kraftwerke.»
Fritz Z.
Es wird nur einer weniger sein

Essay

Fritz Z.


Radio DRS | tamedia. Zürich

Als Fritz Z. mit der Nieder­schrift seiner Lebens­erin­nerungen be­gann, ahnte er nicht, wel­ches Aus­mass seine Auf­zeich­nungen an­nehmen würden. Nach einem erfüll­ten und inten­siven Berufs­leben liess ihn die Begeis­terung für seine Ar­beit nie los. Das ent­stan­dene Essay mit Foto­gra­fien und Texten wurde in verschiedenen Formen publiziert.

Während die text­liche Ebene Tran­skripte der Lebens­erin­nerun­gen umfasst, wird in den Foto­gra­fien der Alltag im hohen Alter von Fritz Z. dokumentiert. Es sind Bilder, die zu Stätten der Erin­nerung zurück­führen, Mo­men­te der Besin­nung und Szenen spon­taner Ereig­nisse. Bild­serien erzäh­len analog zu den Tex­ten kurze Ge­schich­ten, unter­brochen durch Zäsu­ren mit grös­seren Einzel­auf­nahmen. In Zusam­men­arbeit mit Radio DRS ent­stand weiter eine zwei­tei­lige Radio­sendung. Die Auf­be­rei­tung der Ton­ebene umfass­te einen Aus­zug der Texte, unter­malt mit Klang­bildern zu ver­schie­denen Lebens­ab­schnit­ten. Redak­tion und Fritz Z. waren ob der zahl­reichen Reak­tionen des Publi­kums sehr über­rascht. Auf Grund der detail­reichen Geschich­ten er­kann­ten nicht wenige Zu­hörerinnen und Zu­hörer Orte und Pro­tago­nisten der Schil­derungen, zeig­ten spon­tanes Inter­esse und tra­ten mit Fritz Z. in Kon­takt – ein schö­nes Er­lebnis für den alten Mann. Ähn­liches wieder­holte sich wenige Wochen später nach einer Publi­kation in der Magazin-Beilage des Tages Anzeigers.