Essay

Fritz Z.


Radio DRS | tamedia

Lini Messerli
«Die Eltern hatten einen grossen Bauernhof, ungefähr 35 Stück Vieh und einen grossen Schweineschopf mit 50 Stück. Lini war das einzige Kind. Die Bekanntschaft mit ihr stammte aus einem Tanzanlass in Trümlenbad bei einem Turnerkränzli. Das war so eine gemütliche Wirtschaft gegen Wileroltigen an der Aare gelegen. Im Tanzen war ich ja kein Hirsch, eher ein ganz kleiner Junge. Es war ja meiner Meinung nach auch nicht wichtig. Aber als die turnerischen Einlagen kamen, war ich im Bilde. Da staunte mancher von den reichen Bauernsöhnen, welche immer um das Lini herumschwänzelten. Ich glaube das gefiel dem Lini gut: Im Handstand durch den ganzen Tanzsaal, Überschlag nach hinten und vorne, drei Stufen auf den Handörgelitisch. War das ein Beifall, und Lini hat am meisten geklatscht, trotz den scheelen Augen ihrer Mitgiftjäger. Also lud sie mich zu sich heim ein. Die Mutter stand auch noch auf und auf dem Tisch stand alles, was das Herz begehrte: Hamme, Speck, Wurst, Käse, Bauernbrot, Kaffee, Wein und Most. ‹Hau zu, Fritz!›, sagte Lini. Wir hatten vorher duzis gemacht. Die Mutter schaute mich lange verstohlen an, aber nicht unfreundlich. Sie dachte wahrscheinlich: ‹Was het de das Lini da wieder für en Schliiffer heibracht.› Auf einmal war der Bauer auch noch in der guten Stube. Sein ‹Grüessech mitenand› war nicht gerade freundlich. Nun wurde so über allerlei geredet und auf einmal meinte der Bauer: ‹Bisch du nid am Zweiaker Alexändu si Brüeder, wo bim Horisberger Miggu isch, dä het mir doch die grossi neui Schür gmacht?›.»
Fritz Z.
Es wird nur einer weniger sein

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Fritz Z.

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