medialink photography

Essay

Scenes & Tales


«Entstehungsbedingungen, individuelle Erwartung und kultureller Kon­text, die Abwesenheit von Gegenständen, Ereignissen und Menschen prägen unsere Wahrnehmung und Interpretation von Orten als leer. Die verschiedenen Erscheinungsformen von Leere sind dabei nicht abgelöst aus einer komplexen Wirklichkeit, sondern Gegenstand eines vielschich­tigen und im Ergebnis nicht immer vorhersagbaren Zusammenspiels aus Hinzufügen und Wegnehmen, aus Bauen und Nicht-Bauen, Tun und Unterlassen, aus Ursache und Wirkung.»

Christine Dissmann
Die Gestaltung der Leere

«Entstehungsbedingungen, individuelle Erwartung und kultureller Kon­text, die Abwesenheit von Gegenständen, Ereignissen und Menschen prägen unsere Wahrnehmung und Interpretation von Orten als leer. Die verschiedenen Erscheinungsformen von Leere sind dabei nicht abgelöst aus einer komplexen Wirklichkeit, sondern Gegenstand eines vielschich­tigen und im Ergebnis nicht immer vorhersagbaren Zusammenspiels aus Hinzufügen und Wegnehmen, aus Bauen und Nicht-Bauen, Tun und Unterlassen, aus Ursache und Wirkung.»

Christine Dissmann
Die Gestaltung der Leere

Tales

Conspiracy


«Am 29. November 1970 wird in Isdal an der Südwestküste Norwegens eine Frauenleiche gefunden. Sie wurde verbrannt, alle Hinweise auf ihre Identität verwischt. Am Tag nach dem Fund der Leiche läuft am Bahnhof in Bergen die Miete eines Schliessfachs ab. Darin: zwei Koffer mit Kleidung ohne Etiketten, zwei Perücken, eine Sonnenbrille, ein Notizbuch mit Buchstaben- und Zahlenkolonnen, eine Landkarte Norwegens mit handschriftlich notierten Zahlen, Zeitungsausschnitte, Kosmetika, deren Beschriftung entfernt wurde. Geld in verschiedenen Währungen: 500 D-Mark, 50 belgische Centimes, 6 Pence, ein halber Schweizer Franken. Die Polizei gleicht die Fingerabdrücke auf den Gläsern der Sonnenbrille mit denen ab, die man von der Toten aus dem Isdal nehmen konnte: Es sind dieselben.»

Die Zeit
Artikel vom 11. Januar 2018
Wiederaufnahme der Ermittlungen

Tales

Into Darkness


«Der Zugführer hing seine rote Tasche an einen Haken. Was wünschen Sie? fragte er aufs neue, schaute jedoch den jungen Mann nicht an, sondern begann in einem Heft, das er der Tasche entnommen hatte, Tabellen auszufüllen. Wir befinden uns seit Burgdorf in einem Tunnel, antwortete der Vierundzwanzigjährige entschlossen, einen so gewaltigen Tunnel gibt es auf dieser Strecke nicht, ich fahre sie jede Woche hin und zurück, ich kenne die Strecke. Der Zugführer schrieb weiter. Mein Herr, sagte er endlich und trat nah an den jungen Mann heran, so nah, dass sich die beiden Leiber fast berührten, mein Herr, ich habe Ihnen wenig zu sagen. Wie wir in diesen Tunnel geraten sind, weiss ich nicht, ich habe dafür keine Erklärung. Doch bitte ich Sie zu bedenken: Wir bewegen uns auf Schienen, der Tunnel muss also irgendwo hinführen. Nichts beweist, dass am Tunnel etwas nicht in Ordnung ist, ausser natürlich, dass er nicht aufhört.»

Friedrich Dürrenmatt
Der Tunnel

Tales

Escape


«Am 20. Mai 1943 wurde mein Vater zur Wehrmacht eingezogen. Sein Beruf als Waffenschlosser hatte ihn lange Zeit vor einem Einsatz als Soldat bewahrt und ihm die Stationierung in Königsberg gesichert. Er hatte den großen Russlandfeldzug überlebt und war anschließend im Urlaub zuhause. Das muss Ende des Jahres 1943 gewesen sein. Aus Russland hat er mir von den Leuten, bei denen er dort einquartiert war, Spielzeug, das sie extra für mich angefertigt hatten, mitgebracht. Es war eine giftgrüne bewegliche Schlange aus Holzklötzchen, die mit Lederstücken verbunden waren und so ihre Beweglichkeit hervorbrachten, wenn man mit Fingern und Daumen die entsprechenden Bewegungen machte und ein bunt bemaltes Holzhäuschen, das wie ein Lebkuchenhaus aussah. Die russische Familie mochte meinen Vater sehr, und er sagte, als er wieder zuhause war, er könne nicht verstehen, warum die Bolschewiken Untermenschen sein sollten, es seien doch Menschen wie wir.»

Renate Seifert
Erinnerungen an die Flucht aus Königsberg

Essay

Fritz Z.


«Die Eltern hatten einen grossen Bauernhof, ungefähr 35 Stück Vieh und einen grossen Schweineschopf mit 50 Stück. Lini war das einzige Kind. Die Bekanntschaft mit ihr stammte aus einem Tanzanlass in Trümlenbad bei einem Turnerkränzli. Das war so eine gemütliche Wirtschaft gegen Wileroltigen an der Aare gelegen. Im Tanzen war ich ja kein Hirsch, eher ein ganz kleiner Junge. Es war ja meiner Meinung nach auch nicht wichtig. Aber als die turnerischen Einlagen kamen, war ich im Bilde. Da staunte mancher von den reichen Bauernsöhnen, welche immer um das Lini herumschwänzelten. Ich glaube das gefiel dem Lini gut: Im Handstand durch den ganzen Tanzsaal, Überschlag nach hinten und vorne, drei Stufen auf den Handörgelitisch. War das ein Beifall, und Lini hat am meisten geklatscht, trotz den scheelen Augen ihrer Mitgiftjäger. Also lud sie mich zu sich heim ein. Die Mutter stand auch noch auf und auf dem Tisch stand alles, was das Herz begehrte: Hamme, Speck, Wurst, Käse, Bauernbrot, Kaffee, Wein und Most. ‹Hau zu, Fritz!›, sagte Lini. Wir hatten vorher duzis gemacht. Die Mutter schaute mich lange verstohlen an, aber nicht unfreundlich. Sie dachte wahrscheinlich: ‹Was het de das Lini da wieder für en Schliiffer heibracht.› Auf einmal war der Bauer auch noch in der guten Stube. Sein ‹Grüessech mitenand› war nicht gerade freundlich. Nun wurde so über allerlei geredet und auf einmal meinte der Bauer: ‹Bisch du nid am Zweiaker Alexändu si Brüeder, wo bim Horisberger Miggu isch, dä het mir doch die grossi neui Schür gmacht?›»

Aus dem Tagebuch von Fritz Z.
Es wird nur einer weniger sein

«Die Eltern hatten einen grossen Bauernhof, ungefähr 35 Stück Vieh und einen grossen Schweineschopf mit 50 Stück. Lini war das einzige Kind. Die Bekanntschaft mit ihr stammte aus einem Tanzanlass in Trümlenbad bei einem Turnerkränzli. Das war so eine gemütliche Wirtschaft gegen Wileroltigen an der Aare gelegen. Im Tanzen war ich ja kein Hirsch, eher ein ganz kleiner Junge. Es war ja meiner Meinung nach auch nicht wichtig. Aber als die turnerischen Einlagen kamen, war ich im Bilde. Da staunte mancher von den reichen Bauernsöhnen, welche immer um das Lini herumschwänzelten.»

Aus dem Tagebuch von Fritz Z.
«Es wird nur einer weniger sein»


photography


In Erweiterung unserer Agentur-tätigkeit realisieren wir im Rahmen von Essays freie Arbeiten mit einem Schwerpunkt auf der Fotografie.

Hans Nick
Architekturstudium an der ETH in Zürich; nach dem Studium selbst-ständige Tätigkeit als Architekt und Fotograf; Publikationen, Ausstellungen fotografischer Essays sowie Lehr- und Beratungstätigkeit für visuelle Medien; gründet 1987 medialink als Agentur für visuelle Kommunikation.

Dora Stähli
Studiengang in Kunstgeschichte
und französischer Literatur an der Universität Sorbonne in Paris; freie Autorin im Sachbuchbereich; bei medialink seit 1999.

 

Scenes & Tales
Fotografisches Projekt mit räumlichen Szenerien und imaginären Handlungs-sequenzen.

Ten Days In September
Ein fotografisches Tagebuch.

Fritz Z.
Fotografische Begleitung von Fritz Z. in seinen letzten Lebensjahren; Portfolio, Ausstellung, Publikation und Umsetzung mit Texten für das Radio.

Cielito Lindo
Fotografische Arbeit zu Mittelamerika mit Texten lateinamerikanischer Autorinnen und Autoren; Portfolio und Ausstellung.

Teatro veneziano
Porträts; Portfolio.

Le dos de Paris
Impressionen; Portfolio.